Learn to fly
Ein Programm für Mädchen und Jungen


Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren brauchen Raum, um sich zu entfalten. Einen geschützten Rahmen, in dem sie sich ausprobieren können und so ihre Identität entdecken und schärfen können. Mit wachsender Sicherheit und Selbst-BEWUSST-sein, entsteht ein für sie funktionelles Wertesystem, dass sich auf dem Weg ins Erwachsenendasein festigt und sie begleitet. Immer getragen von der Fähigkeit zu reflektieren und Anpassungen in den eigenen Handlungen vorzunehmen. Nachdem Jungen und Mädchen in dieser Phase unterschiedliche Anforderungen haben und andere Voraussetzungen mitbringen, arbeiten wir in der großen Gruppe zusammen, aber auch geschlechtsspezifisch. Wir bieten auch sogenannte Cross Work an, bei der die Trainer mit den Jungen arbeitet und der Trainer mit den Mädchen.

Die Zielsetzung ist, innerhalb der Gruppe und bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Spielregeln und Automatismen zu etablieren, in die Trainerin und Trainer zum Ende hin nicht mehr eingreifen oder moderieren müssen. Die Gruppe arbeitet selbständig an allen aufkommenden Aufgaben, Themen, Konflikten und Veränderungen. Wir etablieren für jeden individuell die Fähigkeit der Selbst-Reflektion. Woran orientiere ich mich, was ist mir wichtig, was empfinde ich als störend, wie gehe ich damit um, wie gestalte ich meine Beziehungen, wie gehe ich mit meinen Gefühlen um. Wie beeinflusst mein eigenes Tun und Lassen mich und mein Umfeld, wie erlange ich Bewusstsein über die eigene Identität und wie entwickle ich ein funktionierendes Wertemodell. Wir unterstützen bei der Entwicklung einer individuellen, klaren und starken Lebens-Vision. Wir bauen Benachteiligung ab und fördern Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungen.

In allen Jugendlichen steckt enormes Potential. Oft ist es durch fehlendes Bewusstsein und Barrieren nicht möglich auf die vorhandenen Ressourcen zuzugreifen und sie nutzbar zu machen. Dazu bedarf es einer gesunden und individuell angepassten Mischung aus Freiheit und Struktur. Es braucht Anreize in die Aktivität zu kommen und sich auszuprobieren. Die in einem geschützten Rahmen, einer sogenannten Laborsituation, gesammelten Erfahrungen geben Sicherheit und Stabilität, sich auch im Leben auszuprobieren und zu zeigen. Durch eine entsprechende Dauer und regelmäßige Reflektion gelingt der Transfer in das reale Leben. Die Entwicklung wird nachhaltig und endet nicht mit dem Programm. Die Programminhalte transportieren wir auf unterschiedlichen Wegen. Entwicklung, Veränderung und Herausforderungen lassen sich in vielen verschiedenen Formen darstellen. Im Vordergrund stehen Spiele, Aufgaben und Herausforderungen mit einem großen Bewegungsanteil. Bei allem verwenden wir gruppendynamische Elemente, um Situationen zu erzeugen, in dem sich alle zeigen können. In diesem Rahmen können wir ausgezeichnet intervenieren und Situationen aufzeigen. In Feedbackrunden entstehen dann neue Strategien. So lernt sich sowohl das System Gruppe selbst zu heilen, als auch jeder einzelne.

Das Programm beginnt in der großen Gruppe mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In der ersten Sitzung geht es um Formalien wie Regeln, den Ablauf des Programms, den Inhalt und die Zielsetzung. Danach lernen sich Teilnehmerinnen, Teilnehmer, Trainerin und Trainer kennen. Nachdem sich die Situation der Gesamtgruppe geklärt hat und ein aussagekräftiges Bild für die Trainerin und den Trainer entstanden ist, teilen wir die Gruppe in Mädchen und Jungen. Diese Konstellation führen wir so lange fort, bis beide Gruppen in ähnlichen Entwicklungsphasen sind. Dann arbeiten wir für zwei bis drei Sitzungen wieder in der großen Gruppe. Das Arbeiten in der großen Gruppe ist stark abhängig von den Entwicklungen in den Gruppen und kann, Situationsbedingt, öfter in Anspruch genommen werden. Wenn die Orientierungsphase der einzelnen Gruppen abgeschlossen ist, tauschen die Trainerin und der Trainer die Gruppen (Cross Work). Die Dauer ist stark abhängig von den Themen, die dort aufkommen und entstehen. Zum Ende des Programms führen wir beide Gruppen wieder zusammen, um das Gefüge der großen Gruppe zu stärken und die Automatismen auch dort zu etablieren.

Die vier Phasen von Teams:
In der ersten Phase des Programms geht es um die Situation, in der die Teilnehmer und auch die Gruppen sind. In der Gruppendynamik wird diese Phase auch Forming (Testphase) genannt. In dieser Phase entsteht das Team. Die Mitglieder kommen mit bestimmten Erwartungen und sind auf der Suche nach ihrer Rolle innerhalb des Teams. Man beschnuppert sich gegenseitig und auf der Sachebene werden erste Informationen gesammelt, ausgetauscht und gemeinsame Ziele formuliert. Diese Forming-Phase leiten wir mit unterschiedlichen Methoden und spielerischen Elementen an. Diese können im Stuhlkreis, in Spielen oder von Bewegung gestützt durchgeführt werden. Das alles entscheiden wir Situationsbezogen und nach Stimmung in der Gruppe. Ein regelmäßiger Wechsel der Form ist entscheidend für die Aufnahmefähigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die zweite Phase des Programms, ist die Storming-Phase (Nahkampf-Phase). Dies ist die wichtigste Phase der Teamentwicklung. Teams, die in dieser Phase nicht einen allgemeinen Grundkonsens finden, werden scheitern. In dieser Phase wird um Machtpositionen gekämpft, Meinungen werden strikt vertreten und persönliche Differenzen der Teammitglieder untereinander deutlich. Dazu kommt, dass die eingesetzten Methoden und die Teamleitung diskutiert oder gar angegriffen werden. Am Ende dieser Phase werden die Definition der Aufgabenrollen und der Konsens hinsichtlich der Aufgabenbewältigung sowie der Zielsetzung stehen.

Die dritte Phase im Programm ist die Norming-Phase (Orientierungsphase). Die Wogen im Team haben sich geglättet, Verhaltensnormen werden deklariert und es ist ein Wir-Gefühl entstanden. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit im Team. Gedanken, Daten und Ideen werden offen ausgetauscht und bewertet. Auftretende Konflikte sollten aber auch in dieser Phase thematisiert werden, da sonst die Arbeit langfristig ins Stocken kommen könnte.

Die vierte Phase des Programms ist die Performing-Phase (Arbeitsphase). In dieser Phase sind dank der hohen Teamkohäsion Spitzenleistungen möglich. Die Gruppe steuert sich überwiegend selbständig. Konflikte und andere Probleme werden in Feedbacksitzungen diskutiert und in der Regel auch gelöst.

Die dargestellten Phasen sind idealtypischer Natur. So kann die Reihenfolge durch eventuelle Rückschläge des Teams verändert werden. Oder manche Phasen laufen fast gleichzeitig ab. Diese Phasen durchlaufen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihren geschlechtsspezifischen Gruppen und innerhalb der großen Gruppe. Während des gesamten Programms wird immer wieder auf die Entwicklung ganz persönlicher Strategien eingegangen. Diese werden in ganz unterschiedlichen Formen erarbeitet, laufend optimiert und entsprechend ergänzt.

„Learn to fly“ funktioniert als geschlossene Gruppe. In einem Programm gibt es eine Mädchengruppe und eine Jungengruppe. In den Gruppen sind jeweils 10-12 Jugendliche. Das Programm dauert sechs Monate und findet in wöchentlichen Treffen statt. Die Treffen dauern 2,5 h. Die Altersgruppe umfasst Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Vor dem Start des Programms führen wir Einzelinterviews mit jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer durch, um ein Gespür für die Anforderungen und den Entwicklungsstand zu bekommen. Im Idealfall ist das Programm im Schulalltag innerhalb der Ganztagsbetreuung integriert. Es kann wie eine Arbeitsgruppe angeboten werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit in Gruppen außerhalb der Schule teilzunehmen, Die Teilnahme ist für die gesamt Dauer des Programms bindend und kostet 160€ pro Monat / pro Teilnehmerin und Teilnehmer. Zum Ende des Programms machen wir ein Abschlussfest zu dem auch die Eltern aller teilnehmenden eingeladen sind.